Fasten – Ruhe für Ihren Magen

Eine Frau trinkt während des Fastens einen wohltuenden Tee

Zeiten des Nichtessens sind so alt wie die Menschheit. Für Jäger und Sammler gab es immer wieder Phasen, in denen schlicht keine Nahrung vorhanden war. Noch heute sind unser Stoffwechsel und Verdauungsapparat darauf ausgerichtet. Kein Wunder, dass nahezu alle Religionen und Völker irgendeine Form von Fastenzeit kennen.

Während sich im letzten Jahrhundert noch vornehmlich die Naturheilkunde des Themas annahm, hat inzwischen auch die moderne Medizin das Fasten neu entdeckt: So zeigen jüngste Studien, dass Nahrungsverzicht beispielsweise Entzündungen hemmen, hohen Blutdruck senken und allerlei Altersleiden und Zivilisationskrankheiten lindern oder gar vorbeugen kann.

Autophagie: Hausputz durchs Fasten

Besonders im Fokus der Wissenschaft ist dabei die sogenannte Autophagie. Bei diesem Recyclingmechanismus nutzt unser Körper Abfallprodukte aus den Zellen, um daraus Energie zu gewinnen. Gesunder Nebeneffekt: Die Zellen können sich reinigen und verjüngen. Doch ständiges Essen verhindert die Autophagie. Erhält der Körper nämlich genügend Nahrung von außen, lässt er den Müll in den Zellen einfach liegen.

Reset für das Verdauungssystem

Besonders positive Auswirkungen hat das Fasten natürlich auf die Verdauung. Magen und Darm, Bauchspeicheldrüse und Leber müssen nämlich ständig arbeiten, wenn sie immer wieder Nahrung erhalten. Und wir alle wissen, dass ständige Arbeit irgendwann zu Überlastung führen kann – da bildet unser Körper und insbesondere sein Verdauungssystem keine Ausnahme.

Ein empfindlicher Magen-Darm-Trakt kann während einer Nahrungspause seine Tätigkeit herunter fahren, sich erholen und regenerieren. Gerade der Magen profitiert schnell. Bis zu fünf Stunden verweilen Lebensmittel in der Regel im Magen – kommt währenddessen wieder neue Nahrung hinzu, muss der Magen nonstop arbeiten.

Verschiedene Arten des Fastens

Fastenkonzepte reichen vom Verzicht auf einzelne Genuss- oder Lebensmittel – beispielsweise Alkohol, Kaffee, Zucker oder Fleisch – bis zum kompletten Verzicht auf feste Nahrung; zeitlich von einem gelegentlichen Entlastungstag bis zum Langzeitfasten über mehrere Wochen.

Wer lange und intensiv fasten möchte, sollte dies erst nach einem gründlichen Gesundheitscheck und unter Anleitung durch Ärzte, spezialisierte Fachleute, Kliniken oder Kureinrichtungen tun. Doch für Fasteneinsteiger bietet sich zum Testen das Kurzzeit- oder Intervallfasten an.

Denn auch kurze Phasen ohne Essen tun Gutes. So genügt es oft schon, ab und an mal einen Tag ohne feste Nahrung einzulegen. Und selbst ein paar Stunden mehr am Tag nicht zu essen – nämlich 16 Stunden auf alles zu verzichten, was Kalorien hat, lässt die Autophagie anspringen und entlastet die Verdauung. Rechnet man den Schlaf ein, sind diese 16 Stunden schon schnell erreicht: Lassen Sie einfach mal Abendessen oder Frühstück ausfallen!

Was ist beim Fasten erlaubt?

Wichtig bei jeder Form des Fastens ist, ausreichend zu trinken: täglich 2,5 Liter stilles Wasser, ungesüßte Kräuter- oder Früchtetees, Gemüsebrühe und ggf. Molke. Bei Magenbeschwerden ist auch das Saftfasten beliebt. Dabei dürfen Sie stark verdünnte Saftschorle trinken. Ob Ihnen Gemüse- oder Fruchtsäfte besser bekommen, testen Sie am besten an zwei unterschiedlichen Tagen aus. Bleiben Sie dann dabei.

Wenn Sie dem Gedanken, über Stunden oder Tage gar nichts zu essen, so gar nichts abgewinnen können, probieren Sie mal einen Entlastungstag: Dabei essen Sie einen Tag lang entweder Reis, Kartoffeln oder Haferflocken (Porridge) – zubereitet ohne Salz oder Zucker! Gewürzt wird mit frischen Kräutern, gedünstetes Gemüse und etwas frisches Obst sowie fettreduzierte Milchprodukte vervollständigen die Mahlzeiten. Natürlich gilt, auf alles, was den Magen belastet, zu verzichten: Alkohol, Nikotin, Koffein oder Kohlensäure sind tabu.

Keine Angst vor dem Hunger

Der Mensch ist ohne weiteres in der Lage, bis zu 30 Tage von seinen Reserven zu leben. Der Körper deckt den Energiebedarf aus seinen Depots. So wird insbesondere der Glykogenspeicher der Leber angezapft, was diese entlastet und sogar einer Leberverfettung entgegenwirken kann. Im Rahmen der Autophagie werden zudem insbesondere unnütze und belastende Stoffe aus den Zellen geschleust und verwertet.

Fasten kann zudem helfen, wieder besser zwischen Hunger und bloßem Appetit zu unterscheiden. Oftmals essen wir nämlich nur aus Gewohnheit bzw. aus allgegenwärtiger Gelegenheit. Moderate Bewegung an der frischen Luft und Entspannungstechniken wie Yoga oder Progressive Muskelentspannung können zusätzlich den entspannenden Aspekt des Nahrungsverzichts verstärken.

Die Erfahrung des Fastens kann der Einstieg in einen gesünderen Lebensstil sein: Bewusster zu essen, gründlicher zu kauen, Appetit wieder besser vom Hunger zu unterscheiden, sich weniger zu stressen und magenfreundlicher zu ernähren, sind bekannte – und erwünschte! – Nebenwirkungen des Fastens.

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