Die Untersäuerung, also ein Mangel an Magensäure, spielt eine besondere Rolle bei älteren Menschen, die an Verdauungsbeschwerden leiden. Einer der Hauptgründe: Das wichtigstes Verdauungshormon – der „Magenmotor“ Gastrin – wird nicht mehr in ausreichendem Maß produziert. Dadurch kommt es zu einer verminderten Ausschüttung der Magensäure (Salzsäure), die bei den Verdauungsprozessen im Magen eine zentrale Rolle einnimmt. Die Symptome sind oft ähnlich wie bei einer Übersäuerung: Sodbrennen, Aufstoßen und Bauchschmerzen.
Betroffene können ihre Untersäuerung beispielsweise daran bemerken, wenn die oft vorschnelle Behandlung mit einem Säurehemmer langfristig nicht den gewünschten Erfolg zeigt. Und das kann öfter vorkommen: „Diese Arzneimittel wirken nur bei etwa einem Drittel der Patienten, denn oftmals ist nicht Über- sondern Untersäuerung die Ursache der Bauchbeschwerden“, erklärt der Magen-Darm-Experte Professor Volker Fintelmann aus Hamburg.
Untersäuerung

In den letzten Jahren hat sich ein unspezifischer Einsatz dieser Säurehemmer etabliert, der für Experten wie Professor Fintelmann inzwischen bedenkliche Ausmaße angenommen hat: „Viele der Wirkstoffe wie Omeprazol oder Pantoprazol sind seit letztem Jahr ohne Rezept erhältlich, sodass viele Menschen bei Magenstress vorschnell zu diesen Mitteln greifen.“ Nach Meinung des Experten liegt der überbordende Einsatz dieser Präparate daran, dass Magenbeschwerden aus mangelndem Wissen meist mit Übersäuerung gleichgesetzt werden. Häufig sei aber das Schlüsselhormon der Verdauung lahm gelegt, in dessen Folge eine Untersäuerung die Beschwerden verursache. „Bei allgemeinen Verdauungsbeschwerden wie Völle- und Druckgefühl, Bauchschmerzen oder übermäßigem Aufstoßen sollte immer erst der Magenmotor Gastrin in Gang gesetzt werden, bevor man an einzelnen Symptomen wie einer scheinbaren Übersäuerung rumdoktert“, empfiehlt Fintelmann.
Der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) weist im März 2010 auf „Untersäuerung“ als mögliche Ursache von Verdauungsbeschwerden hin und warnt vor der unkontrollierter Einnahme von Säureblockern: „Bei andauernden Symptomen wie Magenschmerzen oder Sodbrennen macht es daher keinen Sinn, ohne Klärung der Ursache der Symptome säureneutralisierende Medikamente einzunehmen“.
